Lerntherapie

Mitarbeiterin: Christiane Doerr

Hallo, ich bin Ergotherapeutin, Dipl. Lerntherapeutin und heiße Christiane Doerr.

Meine langjährige Berufserfahrung aus verschiedenen Therapiebereichen und Gruppen baue ich kontinuierlich weiter aus und halte sie so auf dem neusten Stand.

Wann ist Lerntherapie sinnvoll?

Bei Kindern und Jugendlichen stellen sich zuweilen trotz Nachhilfe und häuslichen Übens auch über längere Zeiträume nur geringe Leistungssteigerungen ein. Anhaltend schlechte Noten in den Fächern Deutsch oder Mathematik können auf eine Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) bzw. Rechenschwäche (Dyskalkulie) hindeuten. Abfallende Leistungen in mehreren Fächern haben ihre Ursache oft in unzureichender Motivation. Wenn Schulerfolg dauerhaft ausbleibt, wird es für Kinder und Jugendliche immer schwieriger, aus eigenem Antrieb in der Schule wieder Anschluss zu finden. Bei Vorschulkindern können z.B. spätes Sprechen, kurze Konzentrationsphasen und motorische Überaktivität frühe Anzeichen für spätere Lernprobleme sein.

Lerntherapie ist keine Vertragsleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Die Kostenübernahme kann beim Jugendamt beantragt werden.

Bereich I: Lese-Rechtschreibschwäche

Woran erkenne ich Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche?

Die überwiegende Anzahl der Kinder lernt Lesen beginnend mit der Einschulung. Zehn Buchstaben werden in den ersten 9 bis 12 Schulwochen gelernt und 20 bis 30 Wörter unterrichtet. Bereits von Schulbeginn an beherrschen Kinder, die von Lese-Rechtschreibschwäche stark betroffen sind, die Buchstaben-Laut-Zuordnung nicht sicher. Sie können die Buchstaben folglich beim Lesen und Schreiben lernen von Wörtern nicht nutzen. Beim Abschreiben machen die Kinder dagegen meist nur wenige Fehler.

Leseschwächen können sich wie folgt zeigen:

  • Auslassen, Ersetzen, Verdrehen oder Hinzufügen von Wörtern oder Wortteilen;
  • verlangsamte Lesegeschwindigkeit;
  • Startschwierigkeiten beim Vorlesen, langes Zögern oder Verlieren der Zeile im Text, stockendes Lesen von Wort zu Wort, aber auch von Buchstabe zu Buchstabe;
  • Vertauschen von Wörtern im Satz oder Vertauschen von Buchstaben in Wörtern;
  • die Unfähigkeit das Gelesene wiederzugeben, aus dem Gelesenen Schlüsse zu ziehen oder Zusammenhänge zu erkennen.

Rechtschreibschwächen werden meist in der Schule erst bei ungeübten Diktaten deutlich. Kinder mit ausgeprägter Rechtschreibstörung scheitern von Anfang an beim Rechtschreiben.

Folgende Besonderheiten können beobachtet werden:

  • Verdrehen von Buchstaben im Wort: z.B. b - d, p - q, u - n;
  • Umstellungen von Buchstaben im Wort (Reihenfolgefehler): z.B. dei - die;
  • Auslassungen von Buchstaben: z.B. "ach" anstatt "auch"
  • Einfügen falscher Buchstaben: z.B. "Artzt" anstatt "Arzt"
  • Dehnungsfehler: z.B. "Zan" statt "Zahn"; "ihm" statt "im"
  • Fehler in der Groß- und Kleinschreibung (Regelfehler): z.B. "tisch" statt "Tisch"
  • Verwechslung von d - t, g - k, v - f (Wahrnehmungsfehler)
  • Fehleränderung: ein und dasselbe Wort wird immer wieder unterschiedlich fehlerhaft und zwischendurch auch richtig geschrieben (Fehlerinkonstanz).

In welchem Alter werden Lese-Rechtschreibschwierigkeiten sichtbar?

Grundsätzlich: Erst im Schulalter ist eine Diagnose möglich. Bei Kindern mit schwerer Legasthenie werden die Lese-Rechtschreibprobleme bereits in der ersten und zweiten Grundschulklasse deutlich. Bei besonders intelligenten Kindern manchmal erst nach dem Wechsel auf die Realschule oder das Gymnasium.

Bereich II: Dyskalkulie

"Unter Dyskalkulie versteht man eine Teilleistungsschwäche auf dem Hintergrund einer normalen Begabung, die sich im Bereich des rechnerischen Denken und Handelns auswirkt. Sie ist erkennbar als Beeinträchtigung der Rechenfertigkeit." (Humm, 1982)

Woran erkenne ich Kinder, die unter einer Dyskalkulie leiden?

Dyskalkulie wird in Teilbereichen frühestens im Kleinkindalter entdeckt, wenn das Kind in seiner Entwicklung von der Entwicklungsnorm abweicht. Eine eigentliche Rechenstörung kann aber erst in der Schule, das heißt in den ersten beiden Schuljahren und später festgestellt werden.

Die Problematiken in der Schule können z.B. sein:

  • Schwierigkeiten in der Wahrnehmung und räumlicher Gliederung rechts/links und oben/unten
  • spiegelverkehrte Schreibweise
  • keine Einhaltung von Richtung oder Reihenfolge
  • rein mechanisches Zählen ohne Hintergrund
  • Nichtverstehen von Differenzen (um wie viel mehr/weniger)
  • kaum Größenvorstellungen

Verdachtsmomente einer Rechenschwäche können sein:

  • Angst vor der Schule
  • Resignation des Kindes bei rechnerischen Aufgaben
  • Schulische Misserfolge, obwohl vorher "erfolgreich" zu Hause geübt
  • völliges "black out" für einige Aufgabenstellungen
  • Probleme mit Positionierungen oben/unten, rechts/links
  • Vertauschen von Einer und Zehner
  • Vertauschen von ähnlichen Ziffern 9 und 6 oder 7 und 1
  • Problem beim Rückwärtszählen
  • Mengenerfassung
  • Vertauschen von Rechenarten
  • Verwechslung von Begriffen, wie mehr/weniger, das Doppelte/die Hälfte, länger/kürzer usw.
  • Probleme mit Stellenübergängen beim Zehner, Hunderter